Stay in Vienna

Insider

Geheime Orte in Wien (wenn auch nicht mehr ganz so geheim)

Wir verraten zehn Orte, die im klassischen Reiseführer fehlen, aber den ersten Wien-Eindruck überraschend verändern.

Spanische Hofreitschule, Winterreitschule
Foto: Sparre, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
· 7 Min. Lesezeit

Wer Wien zum dritten Mal sieht, hat es leichter, sich nicht mehr auf Stephansdom und Schönbrunn zu konzentrieren. Diese zehn Orte sind weniger besucht, lohnen aber.

1. Friedhof St. Marx

Im 3. Bezirk, kein Tourist findet hin. Mozart wurde hier 1791 in einem Schachtgrab beerdigt (genaue Lage unbekannt, ein Symbolstein steht heute). Verwilderter Biedermeier-Friedhof, im Frühsommer voll Flieder.

2. Zentralfriedhof Tor 2

Wer schon dort ist, geht zu den Ehrengräbern: Beethoven, Brahms, Schubert, Falco, Hans Hass. Die Halle von Otto Wagner ist sehenswert. Ende des Friedhofs ist Wiens jüdischer Sektion (Tor 4), schwer beschädigt, schweigsam.

3. Kapuzinergruft

Unter der Kapuzinerkirche am Neuer Markt. 12 Habsburger-Kaiser und 19 Kaiserinnen liegen hier in 150 Sarkophagen. Eintritt günstig, die meisten Wien-Reisenden gehen daran vorbei, weil sie es nicht wissen.

4. Schlumberger-Kellerwelten

Im 19. Bezirk, ältester Sektkeller Wiens (1842). Führung mit Verkostung, drei Stockwerke unter der Erde, lange Gänge. Eine andere Art von Wien-Ausflug.

5. Wiener Wäschermädelhaus

In der Schönlaterngasse, ein winziges Haus aus dem 14. Jahrhundert. Wirklich klein, leicht zu übersehen. Schönlaterngasse selbst ist eine der schmalsten Innenstadt-Gassen.

6. Ankeruhr

Hoher Markt, mechanische Uhr von 1914, Jugendstil. Jeden Tag um 12 Uhr zieht eine Parade von zwölf historischen Figuren vorbei, vom Marcus Aurelius bis Joseph Haydn. Drei Minuten Show, gratis.

7. Otto-Wagner-Pavillon Karlsplatz

Zwei kleine Stadtbahn-Pavillons aus 1898, einer ist heute Café, einer ein Museum für Otto Wagners Arbeit. Jugendstil pur, klein, oft leer.

8. Looshaus

Adolf Loos’ Wohn- und Geschäftshaus von 1911, Michaelerplatz. Kaiser Franz Joseph hasste es so sehr, dass er das Fenster der gegenüberliegenden Hofburg-Wohnung verhängen ließ. Innen ist die Raiffeisenbank, du darfst während Öffnungszeiten in die Halle.

9. Café Anzengruber

In der Schleifmühlgasse (4. Bezirk). Schmales, hohes Beisl mit Stammgästen und Künstlern, leicht düster, ehrlich. Spielt Schallplatten, hat keine Speisekarte für Touristen.

10. Stadtwanderweg 1 (Kahlenberg vom Cobenzl)

Klassische Aussicht, aber wer ihn als Wanderung statt als Bus-Anfahrt macht, sieht Wein und Wald, fühlt Stadtgrenze, kommt anders am Kahlenberg an. Plan: 2,5-3 Stunden.

Ein Bonus: Beethoven-Wohnung Pasqualatihaus

Am Mölker Bastei, klein, ruhig, vier Räume voller Beethoven-Dokumente. Sehr wenig Touristen. Mozart-Häuser sind voller, Beethoven-Häuser leerer, ohne Grund.

Was du sonst nicht im Reiseführer findest

  • Im Sommer öffnet die Donauinsel-Strandbar Herrmann abends als Open-Air-Bar mit Liegestühlen.
  • Der Pawlatschen-Gang im 1. Hof der Hofburg ist meistens leer, kostet nichts, fühlt sich an wie ein Privat-Innenhof.
  • Der Stiege im Augarten 21er Haus mit seinem Beton-Brutalismus überrascht jeden.