Stay in Vienna

Saison

Wien im Winter: Welche Christkindlmärkte sich wirklich lohnen

Sechs Adventmärkte im Vergleich. Wo der Punsch besser ist als das Schnitzel und wo du nur stehst und wartest.

Stephansdom Wien
Foto: C. Stadler/Bwag, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Ab Mitte November dreht Wien auf. 20-plus Adventmärkte, Lichterketten in der Innenstadt, ein Pop-Up-Eislaufplatz vor dem Rathaus. Die Stadt inszeniert den Advent seit Jahrhunderten - der erste “Dezembermarkt” wird auf das Mittelalter zurückgeführt, und man merkt die Routine: Es gibt Märkte für Familien, für Design-Fans, für Punsch-Trinker und für alle, die einfach nur einmal durchs Lichtermeer wollen. Was du nicht verpassen solltest und wo es nur voll ist.

Die Empfehlungen

Spittelberg (1070). Kleiner, kunsthandwerklich, ehrlich. Schmale Gassen, Lokale am Rand, hier kommen die Wiener selbst hin. Die Biedermeier-Häuschen des Viertels sind die stimmungsvollste Kulisse der Stadt, und die Stände verkaufen tatsächlich Handwerk statt Importware. Der Markt zieht sich durch mehrere Parallelgassen in Neubau - wenn eine verstopft ist, weich in die nächste aus. Beste Wahl, wenn du nur einen Markt schaffst.

Karlsplatz Art Advent. Vor der Karlskirche, kein Massengeschäft, eher Designer und Keramik. Bio-Standard bei Essen und Punsch, dazu Feuerstellen und ein Strohlabyrinth für Kinder. Die beleuchtete Karlskirche im Rücken ist ein Bonus, den kein anderer Markt bietet.

Altwiener Christkindlmarkt am Freyung (1010). Kleiner als der Rathausplatz, gemütlicher, gute Stände mit Schwerpunkt auf altem Handwerk und Krippenfiguren. Glühwein-Tassen sind sammelbar. Von hier sind es fünf Gehminuten zum Markt Am Hof, du kannst beide in einem Schwung machen.

Schönbrunn (1130). Schloss als Kulisse, etwas touristischer, aber das Setting macht es. Nach dem Markt kannst du durch den geschmückten Schlossgarten spazieren - der Park ist frei zugänglich und in der Dämmerung fast leer. Direkt an der U4, auch von der Innenstadt in einer Viertelstunde erreichbar.

Belvedere (1030). Klein, fein, kuratiert. Funktioniert mit dem Museum kombiniert besonders gut: erst Klimt im warmen Haus, dann Punsch mit Blick auf die beleuchtete Barockfassade.

Rathausplatz (1010). Der bekannte. Riesig, voll, Eisbahn-Show, dazu der beleuchtete Rathauspark mit geschmückten Bäumen. Wenn du Familien dabei hast, lohnt es sich: Karussell, Kinderbackstube, die Eistraum-Flächen. Sonst gehst du in zehn Minuten wieder.

Markt-Hopping: eine Abendroute

Die Märkte liegen näher beieinander, als es die Stadtkarte vermuten lässt. Eine bewährte Route für einen einzigen Abend: Start am Freyung gegen Nachmittagsende, zu Fuß über den Graben (Weihnachtsbeleuchtung, keine Stände) zum Stephansplatz, mit der U-Bahn zwei Stationen zum Karlsplatz für den Art Advent, dann über die Wienzeile zum Spittelberg fürs Finale. Drei Märkte, ein Abend, dazwischen die schönsten beleuchteten Gassen der Inneren Stadt. Alle Stationen liegen an U-Bahn oder sind fußläufig - ein 24h-Ticket deckt den ganzen Abend ab.

Was du bestellst

  • Glühwein. Hausgemacht, mit Sternanis und Nelken. Tasse als Pfand kassieren - zurückgeben gibt Geld, behalten gibt Souvenir.
  • Punsch. Stärker, rumlastig. Vorsicht beim ersten. Die Sorten wechseln pro Stand, von Beeren bis Marille.
  • Maroni. Heiß, immer noch im Strohpapier, ein paar Eurostücke.
  • Bratwurst mit Kren. Wienerisch.
  • Käsekrainer. Wurst mit Käsefüllung. Polarisiert.
  • Süßes: gebrannte Mandeln, Lebkuchen, Baumkuchen am Spieß. Als Grundlage vor dem zweiten Punsch nicht zu unterschätzen.

Preislich gilt: Ein Punsch oder Glühwein liegt meist im mittleren einstelligen Bereich, dazu kommt das Pfand für die Tasse. Ein Marktabend mit zwei Getränken und etwas zu essen ist realistisch mit 20 bis 30 Euro pro Person kalkuliert.

Wann hingehen

Werktags ab 17 Uhr. Samstag und Sonntag erst ab 20 Uhr, sonst stehst du nur. Die entspannteste Zeit überhaupt: werktags am frühen Nachmittag, wenn die Stände öffnen und die Schulklassen noch nicht da sind - dann fehlt allerdings die Beleuchtungsstimmung. Letzte Märkte schließen am 23. oder 24. Dezember, manche bleiben bis Silvester und wechseln dann auf Neujahrs-Programm.

Ein unterschätzter Termin: die Woche nach dem 26. Dezember. Die Silvestermärkte sind offen, die Stadt ist festlich beleuchtet, aber der Adventsandrang ist vorbei.

Übernachten in der Adventzeit

Der Advent ist trotz Kälte Hochsaison, die Wochenenden sind früh ausgebucht und die Preise entsprechend. Wer flexibel ist, kommt Sonntag bis Donnerstag - die Märkte sind dieselben, die Zimmer deutlich günstiger. Praktisch wohnt, wer an U-Bahn oder Ring liegt, dann sind alle sechs Märkte ohne Umsteigen erreichbar. Eine Übersicht nach Lage und Stil findest du unter Hotels in Wien, Familien mit Kindern schauen am besten in die Familien-Kategorie.

Häufige Fragen

Welcher Markt ist der beste für Kinder? Rathausplatz, ohne Diskussion: Karussell, Kinderprogramm, Eislauffläche. Danach Karlsplatz mit dem Strohlabyrinth. Spittelberg ist mit Kinderwagen wegen der engen Gassen mühsam.

Kann man Christkindlmärkte auch tagsüber besuchen? Ja, und es ist die ruhigste Zeit. Die volle Wirkung entfalten die Märkte aber erst in der Dämmerung, wenn die Beleuchtung übernimmt. Guter Kompromiss: eine Stunde vor Sonnenuntergang kommen.

Wie kalt wird es wirklich? Wiener Dezemberabende liegen oft um den Gefrierpunkt. Warme Schuhe sind wichtiger als der dickste Mantel - du stehst viel auf kaltem Boden. Handschuhe, die du zum Punsch-Halten ausziehen kannst, sind Gold wert.

Braucht man Bargeld auf den Märkten? Viele Stände nehmen inzwischen Karte, aber nicht alle. Ein paar Scheine und Münzen für Punsch, Pfand und Maroni ersparen dir die Suche nach dem nächsten Bankomaten.

· 6 Min. Lesezeit