Wien hat mehr Schichten als die meisten europäischen Hauptstädte. Du läufst über römische Ruinen, durch barocke Plätze, vorbei an Gründerzeit-Boulevards und Wohnbauten der roten Wiener Sozialdemokratie. Acht Orte, an denen die Geschichte sichtbar wird.
1. Hoher Markt (Antikes Vindobona)
Wien war römisches Militärlager. Die Reste des Lagers Vindobona liegen unter dem Hohen Markt im 1. Bezirk, ein kleines Museum (Römermuseum) zeigt sie. Hier endet die ältere Stadtgeschichte: 1. Jahrhundert bis ins 5.
2. Stephansdom (Mittelalter)
Erste Kirche 12. Jahrhundert, gotischer Bau ab 1359. Der Südturm war über 400 Jahre höchster Turm Mitteleuropas. Das Riesentor an der Westseite ist romanisch, der Rest gotisch. Stephansplatz als Stadtzentrum hat sich seit dem Mittelalter nicht verschoben.
3. Heldenplatz und Hofburg (Habsburger)
Die Hofburg wuchs ab dem 13. Jahrhundert über 600 Jahre. Ältester Teil: Schweizerhof (13. Jh.), jüngster: Neue Burg (1913). Heldenplatz ist nach Erzherzog Karl (1771-1847) und Prinz Eugen benannt, deren Reiterstandbilder dort stehen. Vom Balkon der Neuen Burg verkündete Hitler 1938 den „Anschluss”. Heute Amtssitz des Bundespräsidenten.
4. Schönbrunn (Barock und Aufklärung)
Maria Theresia ließ das Schloss 1743 vollenden. 1.441 Zimmer. Hier wuchs Marie Antoinette auf, Mozart spielte mit sechs vor dem Hof, die Kaiserin starb hier 1780. Park, Gloriette und Tiergarten (ältester der Welt, 1752) gehören dazu.
5. Ringstraße (Gründerzeit)
1857 ließ Kaiser Franz Joseph die Stadtmauer abreißen. Auf dem Glacis entstand die Ringstraße: Staatsoper (1869), Kunsthistorisches und Naturhistorisches Museum (1891), Rathaus (1883), Parlament (1883), Universität (1884), Börse, Burgtheater. Innerhalb von 30 Jahren erfand sich Wien neu als Großstadt.
6. Belvedere (Klimt und die Wiener Moderne)
Im Oberen Belvedere hängen die wichtigsten Bilder der Wiener Moderne: Klimts „Kuss” (1908), Schieles „Tod und Mädchen” (1915). Drumherum: Sezession (1897 gegründet als Gegenbewegung zur Akademie), Otto Wagners Postsparkasse (1906), Adolf Loos’ Looshaus am Michaelerplatz (1911).
7. Karl-Marx-Hof (Rotes Wien)
Zwischen 1919 und 1934 baute die sozialdemokratisch regierte Stadt Wien rund 60.000 Sozialwohnungen. Karl-Marx-Hof im 19. Bezirk ist mit 1,1 km der bekannteste Bau dieser Zeit. Februarkämpfe 1934, Bürgerkrieg, Ende des Roten Wien.
8. Judenplatz und Mahnmal (20. Jahrhundert)
Das Mahnmal von Rachel Whiteread (2000) erinnert an die 65.000 ermordeten österreichischen Jüdinnen und Juden. Daneben das Museum Judenplatz mit den Resten der mittelalterlichen Synagoge, die 1421 zerstört wurde. Zwei Schichten an einem Ort.
Wenn du eine Tour daraus machst
Drei Stunden Fußweg vom Hohen Markt über Stephansdom, Hofburg, Ring bis Belvedere reichen, um sieben dieser Punkte abzulaufen. Schönbrunn ist eine eigene Reise. Karl-Marx-Hof per U-Bahn (U4 Heiligenstadt).