Wiens Nahverkehr gilt international als Vorbild: dichtes Netz, zuverlässig, günstig. Die Wiener Linien betreiben fünf U-Bahn-Linien, zahlreiche Straßenbahn- und Buslinien, dazu kommt die S-Bahn der ÖBB. In Rankings zur Lebensqualität wird Wiens Öffi-Netz regelmäßig als einer der Gründe genannt, warum die Stadt so gut abschneidet - und als Tourist profitierst du direkt davon: Kaum eine Sehenswürdigkeit liegt mehr als ein paar Gehminuten von einer Station entfernt. Hier die Praxis.
Das Netz im Schnellüberblick
- U-Bahn: U1 (rot), U2 (lila), U3 (orange), U4 (grün), U6 (braun). Die U5 ist im Bau, der erste Abschnitt soll Ende der 2020er Jahre fahren. Tagsüber fahren die Züge alle paar Minuten, du brauchst keinen Fahrplan.
- Straßenbahn: ca. 30 Linien, einige davon prägen die Stadt (Tram 1 und 2 fahren den Ring entlang, super zum Sightseeing).
- Bus: dichtes Netz innerhalb und außerhalb der Ringe, Nachtbusse (N-Linien) ab Mitternacht.
- S-Bahn: vor allem für Anschluss vom/zum Flughafen, in die Vororte und nach Niederösterreich.
Für Touristen die wichtigsten Stationen: Karlsplatz (U1/U2/U4, Staatsoper und Naschmarkt), Stephansplatz (U1/U3, Dom), Volkstheater (U2/U3, Museen), Schönbrunn (U4) und Praterstern (U1/U2, Riesenrad in der Leopoldstadt).
Plan dein Routing mit der WienMobil-App der Wiener Linien oder mit Google Maps. Beides funktioniert verlässlich. Die App verkauft auch Tickets, das erspart den Automaten.
Tickets
Wien rechnet pro Zeit, nicht pro Strecke. Mit einem Ticket darfst du alle Verkehrsmittel und Strecken nutzen, solange du in eine Richtung fährst. Es gibt keine Zonen innerhalb der Stadt - das ganze Stadtgebiet ist eine Zone, nur der Flughafen liegt außerhalb.
- Einzelfahrt: etwa 2,40 € (Stand 2024/2025, Preis kann aktualisiert werden). In Trafiken, an Automaten oder per App.
- 24h-Karte: ungefähr 8 €, lohnt ab drei Fahrten.
- 48h- und 72h-Karten entsprechend günstiger pro Tag.
- Wochenkarte: ca. 17 €, lohnt sich ab fünf Tagen. Achtung: Sie gilt kalenderwochenweise von Montag bis Montag, nicht sieben Tage ab Kauf - wer Mittwoch anreist, rechnet besser mit 72h-Karten.
- Wien-Karte (Now or Easy): kombiniert 24/48/72h-Ticket mit Ermäßigungen für Sehenswürdigkeiten. Rechnen, ob es sich lohnt: ab 4-5 Eintritten ja.
Wichtig: Tickets immer entwerten, bevor du U-Bahn-Sperren passierst oder die Tram betrittst. App-Tickets sind ab Kauf gültig, Papiertickets müssen in die blauen Entwerter. Kontrollen sind selten, aber teuer (Strafe 100 € plus Ticket) - und Kontrolleure sind in Zivil unterwegs, du erkennst sie erst, wenn sie den Ausweis zücken.
Welche Tram du fahren solltest
Tram 1 und 2 fahren den Ring entlang und sind quasi eine Sightseeing-Tour: Oper, Burgtheater, Rathaus, Parlament, Universität, Börse. Eine Stunde, ein Einzelticket. Keine der beiden Linien fährt den kompletten Ring im Kreis, du steigst einmal um - oder gehst das fehlende Stück zu Fuß.
Tram D fährt vom Hauptbahnhof entlang dem Ring bis Beethoven-Gang, perfekt für Belvedere und Heurigen-Anfahrt nach Döbling.
Tram 38 vom Schottentor nach Grinzing, klassische Heurigen-Bim.
Zum Flughafen
- CAT (City Airport Train): 16 Minuten, halbstündlich, vom Bahnhof Wien Mitte. Teurer (etwa 15 € einfach), aber direkt und mit City-Check-in für manche Airlines.
- S7: 25 Minuten, viertelstündlich, gleiche Strecke. Mit normalem ÖBB-Ticket oder VOR-Ticket Wien plus Schwechat. Wesentlich günstiger - für die meisten Reisenden die vernünftigste Wahl.
- Railjet der ÖBB: vom Hauptbahnhof in etwa 15 Minuten zum Flughafen, normale ÖBB-Preise. Praktisch, wenn dein Hotel Richtung Wieden oder Favoriten liegt.
- Vienna AirportLines (Bus): 20-25 Minuten zum Schwedenplatz, Westbahnhof oder UNO-City. 11 € einfach.
- Taxi/Uber: 35-50 € je nach Tageszeit und Ziel. Sinnvoll bei Gepäck oder spät nachts.
Wichtig für alle Bahn-Varianten: Dein Wiener-Linien-Ticket deckt die Stadtgrenze ab, für das Stück bis Flughafen Schwechat brauchst du ein Anschlussticket.
Nachts unterwegs
Freitag- und Samstagnacht sowie vor Feiertagen fährt die U-Bahn durch, etwa im 15-Minuten-Takt. Unter der Woche übernehmen ab Mitternacht die Nachtbusse (N-Linien), die meisten starten am Schwedenplatz oder an der Oper. Alle normalen Tickets gelten auch nachts, es gibt keinen Nachtzuschlag. Für den Rückweg vom Heurigen oder aus dem Club heißt das: Du kommst praktisch immer nach Hause, ohne Taxi zu zahlen.
Mit Kindern und Behinderung
Kinder unter sechs Jahren fahren immer gratis. Kinder von 6-15 fahren an Wiener Schulferien-Tagen, Sonn- und Feiertagen gratis. Alle U-Bahn-Stationen sind barrierefrei, Trams haben Niederflur-Wagen (Symbol am Display), Busse haben Rampen. Kinderwagen fahren gratis mit, in der U-Bahn nimmst du die gekennzeichneten Mehrzweckbereiche.
Hotel-Lage nach Öffis wählen
Wer sein Hotel nach Öffi-Anbindung aussucht, spart täglich Zeit: Häuser in der Inneren Stadt brauchen kaum Öffis, dafür zahlt man die Lage mit. Unterkünfte an U-Bahn-Knoten wie Praterstern, Westbahnhof oder Landstraße sind oft günstiger und trotzdem in zehn Minuten überall. Faustregel: Lieber drei Stationen weiter draußen direkt an der U-Bahn als zentral, aber zehn Gehminuten von jeder Station entfernt.
Was Touristen oft falsch machen
- Linke statt rechte Seite auf der Rolltreppe blockieren: links wird gegangen, rechts gestanden.
- In der Tram weiterstehen statt durchzugehen: kostet allen Platz.
- Ticket nicht entwerten: „Ich hab doch eines” gilt nicht.
- U-Bahn am Stephansplatz mitten in der Stoßzeit: zwei Stationen weiter ist oft schneller zu Fuß.
- Flughafenticket vergessen: Das Stadtticket endet an der Stadtgrenze, die Kontrolle im Flughafenzug kennt keine Ausreden.
Häufige Fragen
Brauche ich für jede Fahrt ein neues Ticket? Nein, wenn du eine Zeitkarte (24h/48h/72h/Woche) hast, fährst du unbegrenzt. Mit Einzeltickets gilt: eine Fahrt in eine Richtung inklusive Umsteigen, danach ein neues Ticket.
Kann ich Tickets im Fahrzeug kaufen? In der Tram gibt es Automaten (oft nur Münzen), im Bus teils beim Fahrer gegen Aufpreis. Entspannter ist die WienMobil-App oder der Automat in der Station.
Funktioniert Google Maps zuverlässig? Ja, inklusive Echtzeit-Abfahrten. Die WienMobil-App ist bei Störungen und Nachtbussen etwas genauer.
Lohnt sich ein Taxi überhaupt irgendwann? Spät nachts unter der Woche mit Gepäck oder zu Zielen abseits des Netzes, sonst kaum. Die Öffis sind fast immer schneller als der Stau auf dem Ring.