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Typisch Wiener Essen: Die Küchenspezialitäten und wo du sie bekommst

Wiener Küche erklärt - die zehn klassischen Gerichte, die Wiener Mehlspeisen als eigene Kategorie, und in welchem Lokal in welchem Bezirk du sie ehrlich bekommst.

Naschmarkt Wien
Foto: C. Stadler/Bwag, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Wiener Küche ist nicht österreichische Küche. Sie ist ein Erbe aus dem Vielvölkerstaat: böhmische Knödel, ungarisches Gulasch, italienische und böhmische Mehlspeisen, dazu eigene Klassiker, die es so nur hier gibt. Wien ist übrigens die einzige Stadt der Welt, nach der eine eigenständige Küche benannt ist - nicht das Land, die Stadt. Das hier solltest du gegessen haben, bevor du wieder abreist.

Typisch Wiener Essen auf einen Blick

GerichtWas es istTypisch fürWo probieren
Wiener SchnitzelPaniertes Kalbsschnitzel, in Butterschmalz gebackenganzjährigFiglmüller, Schnitzelwirt (7.)
TafelspitzGekochtes Rindfleisch mit Apfelkren und Schnittlauchsoßeganzjährig, SonntagsgerichtPlachutta (1.), Meierei im Stadtpark (3.)
GulaschDunkel geschmortes Rindsgulasch, dichter als das ungarischeganzjährigjedes Beisl
BackhendlPaniertes halbes Hendl, gebackenSommerGastgärten, Heurige
KäsekrainerKäsegefüllte Wurst vom WürstelstandnachtsBitzinger bei der Albertina (1.)
ApfelstrudelHauchdünn gezogener Teig mit Äpfeln und ZimtganzjährigCafé Residenz Schönbrunn (13.)
KaiserschmarrnZerrissener Pfannkuchen mit Rosinen und RösterganzjährigCafé Sperl (6.), Café Landtmann (1.)
BuchtelnHefeteig-Bällchen mit Powidl gefülltganzjährigCafé Hawelka (1.)
MarillenknödelGanze Marille im Topfenteig, in Bröseln gewälztJuli und AugustBeisln, Heurige
SachertorteSchokoladentorte mit MarillenmarmeladeganzjährigHotel Sacher, Demel (1.)

Die zehn

1. Wiener Schnitzel. Vom Kalb, paniert in trockenem Brösel, schwimmend in Butterschmalz gebacken. Erkennungszeichen: Das Schnitzel ist größer als der Teller, und die Panade wirft Wellen („Soufflieren”) - sie liegt locker auf dem Fleisch, statt daran zu kleben. Dazu gehören Erdäpfelsalat oder Petersilkartoffeln und ein Zitronenschnitz, keinesfalls Sauce. Klassische Häuser: Figlmüller, Plachutta, Schnitzelwirt in Neubau. Eine Variante vom Schwein ist günstiger und heißt korrekt „Wiener Art” - steht nur „Schnitzel” auf der Karte, frag nach.

2. Tafelspitz. Gekochtes Rindfleisch (der Tafelspitz ist das Stück von der Hüfte) mit Wurzelgemüse, Apfelkren, Schnittlauchsoße und Rösti. Das Lieblingsessen von Kaiser Franz Joseph, und bis heute das Sonntagsgericht der bürgerlichen Wiener Küche. Plachutta hat sich darauf spezialisiert und serviert das Fleisch in der Kupferpfanne mit Suppe, sodass ein ganzes Menü daraus wird. Die Meierei im Stadtpark macht eine feinere Variante.

3. Gulasch. Aus Ungarn übernommen, in Wien dunkler, dichter und länger geschmort. Gibt es als Saftgulasch (Beilage: Semmelknödel) oder als Fiakergulasch - benannt nach den Kutschern - mit Spiegelei, Würstel und Essiggurke obendrauf. Gulasch findest du in praktisch jedem Beisl, und es ist das klassische Gericht für den zweiten Tag: Aufgewärmt schmeckt es besser, das geben die Wiener offen zu.

4. Backhendl. Halbes Hendl, zerteilt, paniert und goldgelb gebacken - das Sommergericht des alten Wien, traditionell mit Vogerlsalat mit Kernöl. In den Beisln steht es oft nur saisonal auf der Karte, in den Gastgärten und beim Heurigen gehört es zum Sommer wie der Spritzer.

5. Apfelstrudel. Hauchdünn ausgezogener Teig - man soll die Zeitung darunter lesen können, sagt die Regel -, gefüllt mit Äpfeln, Rosinen, Zimt und Bröseln. Im Café Residenz bei Schönbrunn kannst du in der Schaubackstube zusehen, wie der Teig über die Tischkante gezogen wird. Warm mit Vanillesauce oder klassisch nur mit Staubzucker.

6. Sachertorte. Zwei Schokoladen-Biskuit-Lagen mit Marillenmarmelade dazwischen, dunkler Schoko-Guss obendrauf, dazu ungesüßtes Schlagobers. Das Original gibt es im Hotel Sacher, Demel am Kohlmarkt macht die historisch umstrittene Alternative - der Streit um das „Original” beschäftigte einst sogar Gerichte. Ehrliche Antwort: Beide sind gut, und der Unterschied liegt vor allem in der Marmeladen-Schicht.

7. Kaiserschmarrn. Süßer, in der Pfanne zerrissener Pfannkuchen mit Rosinen, Puderzucker und Zwetschken- oder Apfelröster. In Wien völlig legitim als Hauptgang, nicht nur als Dessert - Mehlspeise als Mahlzeit ist hier eine eigene Kategorie. Café Sperl und Café Landtmann machen ordentliche Versionen; frisch zubereitet dauert es 15 bis 20 Minuten, das ist ein gutes Zeichen.

8. Buchteln. Flaumige Hefeteig-Bällchen aus Böhmen, gefüllt mit Powidl (Pflaumenmus) oder Marillenmarmelade, oft mit Vanillesauce. Café Hawelka serviert sie traditionell erst spät am Abend frisch aus dem Ofen - ein Grund, den Kaffeehausbesuch auf nach Mitternacht zu legen.

9. Marillenknödel. Aus Topfen- oder Kartoffelteig, eine ganze Aprikose innen, gerösteter Brösel-Zucker außen. Sommerklassiker zur Marillenzeit im Juli und August, wenn die Wachauer Marillen reif sind. Wird wie der Kaiserschmarrn gern als Hauptgericht gegessen.

10. Käsekrainer. Wurst mit Käsefüllung vom Würstelstand, im Wiener Dialekt liebevoll-derb „Eitrige” genannt. Dazu ein Scherzl Brot, süßer oder scharfer Senf und ein Dosenbier. Der Würstelstand ist Wiens demokratischste Institution: Nachts stehen hier Anzugträger neben Nachtschwärmern. Bitzinger bei der Albertina ist der bekannteste Stand der Innenstadt.

Die Wiener Mehlspeise als eigene Kategorie

Wien behandelt Süßspeisen anders als die meisten Küchen: Die Mehlspeise ist hier kein Nachtisch, sondern eine eigene Gattung, die vollwertig als Hauptgang durchgeht. Ein Kaiserschmarrn oder ein Teller Marillenknödel zu Mittag ist in Wien nichts Ungewöhnliches, und viele Beisln führen eine eigene Mehlspeisen-Karte.

Neben den Klassikern aus der Zehnerliste lohnen sich diese:

  • Palatschinken. Dünne Pfannkuchen, klassisch mit Marillenmarmelade gefüllt und gerollt. Die pikante Variante mit Fleischfüllung heißt Fleischpalatschinken und ist ein eigenes Hauptgericht.
  • Topfenknödel. Aus Topfen (Quark) statt Kartoffelteig, in Butterbröseln gewälzt, oft mit Zwetschkenröster. Leichter als Marillenknödel und ganzjährig verfügbar.
  • Germknödel. Großer Hefeteigknödel mit Powidl, unter Mohn und flüssiger Butter. Eher Winter- und Hüttengericht, in Wien aber in vielen Gasthäusern zu finden.
  • Powidltascherl. Teigtaschen mit Pflaumenmus, böhmisches Erbe, gebröselt und gezuckert.
  • Punschkrapfen. Rosa glasierte Würfel mit rumgetränkter Fülle - die auffälligste Vitrinen-Mehlspeise jeder Konditorei.
  • Esterházyschnitte und Cremeschnitte. Die Konditorei-Klassiker neben der Sachertorte, in jedem Kaffeehaus mit eigener Backstube.

Wer die Mehlspeisen systematisch abarbeiten will, tut das am besten im Kaffeehaus statt im Restaurant - unsere Kaffeehaus-Klassiker listen die Häuser mit eigener Backstube.

Was du dazu trinkst

  • Grüner Veltliner zum Schnitzel - der Wiener Weißwein-Standard, oft als „Spritzer” mit Soda gestreckt.
  • Zweigelt zum Tafelspitz oder Gulasch.
  • Sturm (trüber, halb vergorener Traubenmost) im Herbst - gibt es nur wenige Wochen.
  • Wiener Melange zum Strudel oder Kaiserschmarrn.
  • Ottakringer aus der Wiener Brauerei zum Käsekrainer.

Eine Besonderheit hat Wien allen anderen Hauptstädten voraus: nennenswerten Weinbau innerhalb der Stadtgrenzen. Beim Heurigen am Stadtrand - etwa in Döbling mit Grinzing und Nussdorf - trinkst du den Wein dort, wo er wächst, dazu gibt es kalte Platten vom Buffet.

Wo essen, wo nicht

In der Inneren Stadt ist die Dichte an Touristen-Lokalen hoch, die Qualität schwankt. Bewährte Adressen: Plachutta Wollzeile (Tafelspitz), Figlmüller Bäckerstraße (Schnitzel), Café Hawelka für Buchteln, Skopik & Lohn in der Leopoldstadt für moderne Wiener Küche. Beisl-Klassiker abseits der Hauptpfade: Gasthaus Pöschl, Gmoakeller, Glacis Beisl beim MuseumsQuartier.

Wer die Zutaten und Süßigkeiten mit nach Hause nehmen will, findet die Adressen in unserem Guide zu Souvenirs aus Wien. Vermeide alles mit mehrsprachigen Bilder-Speisekarten am Stephansplatz und „Original-Wiener-Schnitzel” auf Plastik-Aufstellern. Stimmt nie. Gute Zeichen sind das Gegenteil: eine kurze Karte, Tagesgerichte auf einer Tafel, und Gäste, die Deutsch mit Wiener Färbung sprechen.

Was es kostet - grobe Orientierung

Wiener Küche ist keine Sterne-Angelegenheit, sondern Wirtshaus-Essen. Im klassischen Beisl isst du einen Hauptgang zu moderaten Preisen, die berühmten Namen der Innenstadt liegen spürbar darüber - beim Schnitzel zahlst du dort vor allem für die Institution mit. Am günstigsten isst du mittags: Viele Gasthäuser bieten unter der Woche ein Mittagsmenü mit Suppe und Hauptgang, das deutlich unter dem Abendpreis liegt. Der Würstelstand bleibt die billigste vollwertige Mahlzeit der Stadt.

· 10 Min. Lesezeit

Häufige Fragen

Was ist typisch Wiener Essen?

Die bekanntesten Wiener Gerichte sind Wiener Schnitzel vom Kalb, Tafelspitz, Gulasch, Backhendl und die Käsekrainer vom Würstelstand. Dazu kommt die Wiener Mehlspeise als eigene Kategorie: Apfelstrudel, Kaiserschmarrn, Buchteln, Marillenknödel und Sachertorte. Wiener Küche ist ein Erbe des Vielvölkerstaats, mit böhmischen, ungarischen und italienischen Einflüssen.

Was ist die bekannteste Wiener Küchenspezialität?

Das Wiener Schnitzel. Es ist die einzige Speise, deren Bezeichnung in Österreich rechtlich an Kalbfleisch gebunden ist - eine Variante vom Schwein muss auf der Karte als Schnitzel Wiener Art ausgewiesen werden.

Was ist eine Wiener Mehlspeise?

Mehlspeise ist die Wiener Sammelbezeichnung für Süßspeisen aus Teig, von Apfelstrudel und Kaiserschmarrn über Buchteln bis zu Palatschinken und Topfenknödeln. In Wien gelten viele Mehlspeisen als vollwertiger Hauptgang und nicht nur als Nachtisch.

Was ist der Unterschied zwischen Beisl, Gasthaus und Heurigem?

Das Beisl ist das Wiener Wirtshaus um die Ecke, unkompliziert und gutbürgerlich. Gasthaus meint dasselbe eine Spur formeller. Der Heurige ist die Weinschenke der Winzer am Stadtrand: eigener Wein im Glas, kaltes Buffet statt Küche, Garten statt Gaststube.

Gibt es Wiener Küche auch vegetarisch?

Mehr als man denkt: Kaiserschmarrn, Marillenknödel, Buchteln, Palatschinken und Käsespätzle sind fleischfrei, dazu Eierschwammerl-Gerichte im Sommer. Klassische Beisln führen heute fast immer vegetarische Hauptgänge. Rein vegan wird es bei den Klassikern schwierig, weil Butter, Eier und Schmalz die Basis bilden.

Muss ich in den bekannten Wiener Lokalen reservieren?

Bei Plachutta und Figlmüller am Abend ja, möglichst einige Tage vorher. Beisln abseits des Zentrums nehmen meist auch spontane Gäste, ein früher Abend hilft.

Wann sollte ich in Wien essen gehen?

Wiener Küchen schließen früher als südeuropäische, viele Beisln nehmen die letzten Bestellungen am späteren Abend an. Mittags und am frühen Abend bekommst du fast überall einen Tisch, ohne zu reservieren.