Der Stephansplatz ist voll mit Ständen, die Mozartkugeln, Kaiserin-Sisi-Magnete und Schneekugeln verkaufen. Fast nichts davon wird in Wien hergestellt, und die Mozartkugel ist ohnehin eine Salzburger Erfindung. Es geht besser - und meistens nicht einmal teurer.
Dieser Guide sortiert Wiener Mitbringsel nach Preisrahmen und sagt jeweils dazu, wo du sie bekommst. Alles hier gibt es tatsächlich in Wien, das meiste wird auch hier produziert.
Unter 10 Euro: die ehrlichen Klassiker
Manner-Schnitten. Die rosa Packung ist das Wiener Mitbringsel schlechthin, wird seit 1890 in Wien-Hernals produziert und kostet im Supermarkt wenig. Wer die Extraportion Symbolik will, kauft im Manner-Geschäft am Stephansplatz - inhaltlich ist es dieselbe Schnitte, im Supermarkt ist sie günstiger. Es gibt Sorten, die es außerhalb Österreichs kaum gibt.
Kaffee einer Wiener Rösterei. Ein halbes Kilo Bohnen von Alt Wien Kaffee oder einer der kleineren Röstereien ist leicht zu transportieren und hält Monate. Wienerische Röstung ist dunkler als skandinavische - wer die Melange zu Hause nachbauen will, braucht genau das.
Staud’s Marmelade und Gemüse im Glas. Der Betrieb sitzt am Brunnenmarkt im 16. Bezirk und ist in Wien eine feste Größe. Gibt es auch im Supermarkt. Achtung bei der Rückreise: Gläser gehören ins aufgegebene Gepäck.
Trafik-Postkarte mit echter Briefmarke. Die Trafik ist eine österreichische Institution - halb Zeitungsladen, halb Tabakgeschäft, oft seit Jahrzehnten familiengeführt. Kostet fast nichts und ist das einzige Souvenir, das ankommt, bevor du selbst zu Hause bist.
10 bis 50 Euro: Wiener Handwerk und Genuss
Original Sacher-Torte. Im Holzkistl, erhältlich im Hotel Sacher hinter der Staatsoper und im Café Sacher. Hält ungekühlt mehrere Wochen, was sie zum praktischsten Mitbringsel der gehobenen Klasse macht. Die kleinste Größe liegt im unteren zweistelligen Bereich, große Torten deutlich darüber.
Wein vom Heurigen. In Grinzing, Nussdorf und Neustift am Walde verkaufen die Weingüter direkt ab Hof - ehrlicher und günstiger als im Supermarkt, und du weißt, wo der Wein herkommt. Wiener Gemischter Satz ist die stadteigene Spezialität und als DAC-Wein geschützt. Wo genau, steht im Heurigen-Guide.
Wiener Kaffeehaus-Zubehör. Ein Kleiner-Brauner-Löffel, ein Wasserglas-Set oder eine Melange-Tasse aus dem Fachhandel. Unspektakulär, aber im Alltag zu Hause tatsächlich in Gebrauch.
Wiener Seife und Kosmetik. Wiener Seifenmanufaktur und ähnliche Kleinbetriebe stellen in der Stadt her. Leicht, bruchsicher, geht auch im Handgepäck.
Bücher und Drucke aus Museumsshops. Die Shops von Albertina, Kunsthistorischem Museum und Leopold Museum im MuseumsQuartier führen Klimt- und Schiele-Drucke in ordentlicher Qualität. Ein gerollter Druck übersteht den Rückflug problemlos, ein gerahmter nicht.
50 bis 200 Euro: die langlebigen Stücke
Mühlbauer-Hut. Wiener Hutmanufaktur, seit 1903 in Familienhand, Werkstatt und Geschäfte in der Stadt. Ein Hut, der passt, hält Jahrzehnte - und es gibt kaum ein Wiener Produkt mit klarerer Handschrift.
Trachtenteile von Tostmann. Die Filiale in der Schottengasse führt echte österreichische Trachten. Ein Dirndl ist eine Anschaffung, eine Trachtenjacke oder eine Bluse geht als Mitbringsel durch und lässt sich auch außerhalb Österreichs tragen.
Wolford-Strumpfwaren. Österreichische Marke, gegründet 1950 in Bregenz, mit Geschäften auf der Mariahilfer Straße und in der Innenstadt. Deutlich haltbarer als Massenware, entsprechend teurer.
Lobmeyr-Glas. J. & L. Lobmeyr auf der Kärntner Straße macht seit 1823 Glas und Luster, unter anderem für die Metropolitan Opera. Einzelne Gläser aus der Serienproduktion sind erschwinglicher, als die Adresse vermuten lässt. Im Obergeschoss gibt es ein kleines Museum, der Besuch kostet nichts.
Ab 200 Euro: wenn es etwas fürs Leben sein soll
Augarten-Porzellan. Wiens Porzellanmanufaktur produziert seit 1718 in der Leopoldstadt, jedes Stück wird von Hand bemalt. Die Manufaktur im Augarten kann besichtigt werden, das Geschäft in der Innenstadt führt das volle Sortiment. Einzelne Tassen sind der günstigste Einstieg, Services liegen deutlich höher.
Antiquitäten vom Naschmarkt-Flohmarkt oder aus dem Dorotheum. Das Dorotheum ist eines der ältesten Auktionshäuser Europas und verkauft auch außerhalb von Auktionen. Am Samstag-Flohmarkt am Naschmarkt ist mehr Glückssache dabei, dafür ist Handeln Teil des Geschäfts. Bei beidem gilt: Bei Objekten über einer gewissen Altersgrenze kann eine Ausfuhrgenehmigung nötig sein - im Zweifel beim Händler nachfragen.
Was du besser stehen lässt
- Mozartkugeln als „Wiener” Souvenir. Sie stammen aus Salzburg. Wer sie trotzdem will, nimmt die Originale von Fürst - die gibt es allerdings nur in Salzburg selbst.
- Sisi-Devotionalien vom Straßenstand. Massenware. Wenn Sisi, dann aus dem Shop des Sisi Museums in der Hofburg.
- Schneekugeln vom Stephansplatz. Ironischerweise wurde die Schneekugel tatsächlich in Wien erfunden, und die Erfinderfamilie Perzy stellt sie im 17. Bezirk bis heute her. Die Originale sind aber nicht das, was am Dom verkauft wird.
- „Echter Wiener Kaffee” in Touristenverpackung. Meist überteuerte Standardware. Lieber in eine echte Rösterei gehen.
Wo einkaufen: die Adressen nach Bezirk
Die meisten Herstellergeschäfte liegen in der Inneren Stadt - Lobmeyr und Manner an der Kärntner Straße beziehungsweise am Stephansplatz, Tostmann in der Schottengasse, Augarten und Dorotheum ebenfalls im Ersten.
Für Design und kleine Labels lohnt der Weg nach Neubau in die Neubaugasse und die Kirchengasse. Lebensmittel und Marmeladen kaufst du am günstigsten am Brunnenmarkt im 16. Bezirk oder am Karmelitermarkt in der Leopoldstadt. Die vollständige Übersicht, welche Einkaufsstraße wofür taugt, steht in unserem Guide zu den Wiener Einkaufsstraßen.
Ein letzter praktischer Hinweis: Sonntags ist der Einzelhandel in Österreich geschlossen. Wer erst am Abreisetag ans Mitbringsel denkt und sonntags fliegt, findet nur noch die Geschäfte am Flughafen und an den Bahnhöfen. Souvenirs also besser einen Tag vorher besorgen.