Stay in Vienna

Saison

Wien im Herbst: Sturm, Maroni, leere Museen

September bis November ist die unterschätzte Wien-Zeit. Hier ist, warum.

Blick vom Kahlenberg
Foto: C. Stadler/Bwag, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
· 6 Min. Lesezeit

Herbst ist für Wiener die liebste Saison: die Hitze ist weg, die Touristen sind weniger, Sturm kommt, der Wald färbt sich. Die Stadt gehört wieder denen, die in ihr leben - und Besuchern, die das ausnutzen. Zwischen Ende September und Ende November bekommst du Wien in seiner ehrlichsten Form: volle Kaffeehäuser statt voller Gassen, Weinberge in Gelb und Rot, Museen ohne Gedränge. Diese Sachen lohnen sich speziell.

Heurigen-Saison Endspurt

Bis Ende Oktober, manche bis Mitte November. Der Sturm (trüber, halb-vergorener Most) ist nur jetzt zu haben, lokale Spezialität - er gärt weiter, wird jede Woche trockener und hat mehr Alkohol, als er schmecken lässt. Die Wiener trinken ihn traditionell zu Zwiebelkuchen oder deftigem Buffet. In Grinzing, Stammersdorf oder am Nussberg. Die klassischen Heurigen-Orte liegen fast alle im 19. Bezirk, in Döbling, wo die Weingärten direkt an die Stadt grenzen. Mehr im Heurigen-Guide.

Stadtwanderwege

Wien hat 13 offiziell ausgeschilderte Stadtwanderwege, sechs davon liegen im Wienerwald. Weg 1 zum Kahlenberg ist der bekannte, Weg 2 durch den Lainzer Tiergarten ist ruhiger, Weg 4 durch die Weingärten Nussberg-Kahlenberg ist im Herbst der schönste. Alle sind ohne Auto machbar: Startpunkte liegen an U-Bahn-, Tram- oder Buslinien, und wer unterwegs müde wird, kehrt einfach beim nächsten Heurigen ein. Für den Kahlenberg gilt die klassische Kombination: mit der U4 bis Heiligenstadt, mit dem Bus auf den Berg, zu Fuß durch die Weingärten zurück nach Nussdorf oder Grinzing. Zwei bis drei Stunden, Aussicht inklusive.

Der Lainzer Tiergarten am Rand von Hietzing ist die wildere Alternative: ehemaliges kaiserliches Jagdgebiet, heute Naturschutzgebiet mit Wildschweinen, die im Herbst gut sichtbar durchs Laub ziehen.

Maroni-Saison

Ab Oktober stehen die Maroni-Verkäufer mit ihren rauchenden Wagen an Stephansplatz, Schottentor, Westbahnhof. Heiße gebratene Kastanien in Strohpapier, Hände wärmen, drei bis fünf Euro. Dazu gehören Bratkartoffeln und Kartoffelpuffer vom selben Stand - das inoffizielle Streetfood des Wiener Winters, das im Herbst beginnt.

Museen ohne Schlange

Ende September bis Ende November ist die ruhigste Sightseeing-Zeit. KHM, Belvedere, Albertina ohne lange Wartezeit. Du siehst die Bilder, statt Köpfe zu fotografieren. Auch Schönbrunn ist entspannter: Die Prunkräume, die im Sommer nur mit Zeitfenster und Geduld gehen, lassen sich jetzt fast spontan besuchen. Ein Überblick über die wichtigsten Adressen steht in den Sehenswürdigkeiten.

Aussichtspunkte mit Nebel-Drama

Kahlenberg an einem Föhn-Tag im Oktober: die Stadt klar im Nebel, die Berge messerscharf am Horizont. Donauturm (252m hoch) oder Sky Bar im Steigenberger Herrenhof für Inneren-Bezirk-Aussicht. Der Herbst produziert die dramatischsten Lichtstimmungen des Jahres - tiefe Sonne am Nachmittag, Hochnebel über der Donau am Morgen. Fotografen fahren jetzt, nicht im Juli.

Was zu beachten ist

Herbst-Wien hat schon ab Mitte Oktober regelmäßig 8-12 Grad nachts, tagsüber 12-18. Regen ist normal. Wer wandert: Funktionsjacke und gutes Schuhwerk. Das Wetter kippt schnell - ein goldener Vormittag kann in einen grauen Nieselnachmittag übergehen. Die richtige Herbst-Strategie ist deshalb ein Doppelplan pro Tag: eine Draußen-Option (Weinberge, Stadtwanderweg, Schönbrunn-Park) und eine Drinnen-Option (Museum, Kaffeehaus, Therme). Du entscheidest morgens beim Blick aus dem Fenster.

Im November fangen die Christkindlmärkte an, aber zunächst erst die kleineren. Karlsplatz und Spittelberg ab Mitte November, Rathausplatz traditionell letztes November-Wochenende.

Veranstaltungs-Highlights

  • Wiener Festwochen im Frühjahr, nicht im Herbst.
  • Viennale Filmfestival Ende Oktober/Anfang November, Wiens internationales Filmfestival, sehr besucht. Karten für bekannte Filme früh sichern.
  • Lange Nacht der Museen Anfang Oktober: ein Ticket, viele Museen bis ein Uhr nachts geöffnet.
  • Heurigen-Lese-Feste in Grinzing und Stammersdorf im September.
  • Die Opern- und Konzertsaison startet im September neu: Staatsoper, Musikverein und Konzerthaus fahren ihr volles Programm, Stehplätze in der Staatsoper sind die günstigste Eintrittskarte in den Wiener Kulturbetrieb.

Wo schläfst du

Herbst-Preise liegen ein gutes Stück unter Hauptsaison. Im November oft halbe Mai-Preise. Boutique-Häuser wie Altstadt Vienna, Hotel Motto oder das Hotel das Tyrol sind im Herbst leichter zu buchen. Wer das Grau des Novembers aktiv kontern will, schaut in die Wellness-Kategorie: Ein Hotel mit Sauna ist im Wiener Herbst kein Luxus, sondern Programm.

Häufige Fragen

Ist der Herbst besser als der Frühling für Wien? Für Museen, Heurige und Preise: ja. Der Frühling hat die blühenden Parks, der Herbst hat Sturm, Weinberge in Farbe und die leersten Museen des Jahres. Wer zum ersten Mal kommt und flexibel ist, nimmt Ende September bis Mitte Oktober - da überlappen mildes Wetter und Herbstsaison.

Wie lange kann man im Herbst noch beim Heurigen draußen sitzen? An warmen Oktober-Tagen problemlos bis zum Sonnenuntergang, viele Gastgärten haben Decken und Heizstrahler. Ab November verlagert sich das Leben in die Buschenschank-Stuben, was seinen eigenen Reiz hat.

Lohnt sich der Kahlenberg auch bei bedecktem Himmel? Bedingt. Bei Hochnebel siehst du oben oft mehr als unten - die Stadt liegt dann unter dir in der Nebeldecke. Bei Regen und tiefen Wolken lieber verschieben und ein Museum vorziehen.

Was packe ich für eine Herbst-Woche ein? Zwiebelprinzip: T-Shirt, Pullover, Regenjacke. Dazu Schuhe, die nasses Kopfsteinpflaster und Waldwege können. Schirm ist in Wien wegen des Windes oft weniger wert als eine Kapuze.